Due Diligence im Internationalen Handel: Effizienz erhöhen mit Innovationen | Prospire
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collaborative evolution | 11. Oktober 2021 Due Diligence im Internationalen Handel: Effizienz erhöhen mit Innovationen

Autor: Andreas Mentel, Dr. Ege Tufan, Armand Hofstetter

Der internationale Warenhandel basiert auf der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen entlang globaler Lieferketten. Er umfasst die Zusammenarbeit zwischen Akteuren, die physische Waren von einem Ort zum anderen befördern, aber auch die Zusammenarbeit mit Banken zur Handelsfinanzierung. Mehr denn je sind diese Akteure von gesetzlichen Regeln betroffen, insbesondere von Due Diligence Regeln, die das Sammeln und Auswerten von Informationen über Handelspartner erfordern. In diesem Artikel beleuchten wir die potenziellen Auswirkungen auf die am globalen Handel beteiligten Akteure und skizzieren neue Ansätze, damit Akteure den Sorgfaltspflichten effizient nachkommen können.

Gesetzliche Regelungen
Sorgfaltspflichten für Unternehmen werden seitens der Politik seit mehreren Jahren weiterentwickelt und verschärft. Handelsfinanzierende Banken sind davon besonders betroffen. So legte die Europäische Kommission im Juli 2021 ein neues Paket von Vorschlägen vor, um die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu stärken. Dem Vorschlag zufolge werden spezifische und detailliertere Bestimmungen zur Identifizierung des Kunden und zur Überprüfung der Identität des Kunden festgelegt. Zudem ist eine neue EU-Behörde geplant, die sicherstellen soll, dass die EU-Vorschriften korrekt und konsequent umgesetzt werden.

Sorgfaltspflichten für Unternehmen werden seitens der Politik seit mehreren Jahren weiterentwickelt.

Auch die Anforderungen an Schifffahrts- und Transportunternehmen nehmen zu, insbesondere durch das Lieferkettengesetz, das der Deutsche Bundestag im Juni 2021 verabschiedet hat. Das Gesetz sieht vor, dass Unternehmen Massnahmen zur Kontrolle von Partnerunternehmen umsetzen, um negative Auswirkungen auf die Menschenrechte in den internationalen Lieferketten zu ermitteln. Im selben Monat verabschiedete das Europäische Parlament einen Entwurf mit ähnlichen Vorschriften für Unternehmen, die im EU-Binnenmarkt tätig sind. Es wird erwartet, dass die Europäische Kommission die Gesetzgebung im Laufe dieses Jahres vorantreibt und 2023 die Ratifizierung durch die Mitgliedstaaten erfolgt.

Eine weitere wichtige Entwicklung ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom September 2015 im Zusammenhang mit der Herstellung und Einfuhr von chemischen Stoffen. Demnach sind Importeure verpflichtet, ihre Lieferketten zu überprüfen und zu untersuchen, ob die Bestandteile des Endprodukts Stoffe oder Gemische enthalten, die den Behörden gemeldet werden müssen. Dies betrifft ebenfalls Exporteure, da sie sich den Untersuchungen stellen müssen.

Auswirkungen
Die Vorschriften wirken sich auf Unternehmen in unterschiedlicher Weise aus. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Auswirkungen, mit denen die Finanzbranche bereits konfrontiert ist, auch Akteure im internationalen Handel treffen werden. An erster Stelle sind die erheblichen Kosten zu nennen, die mit der Einhaltung der Sorgfaltspflichten einhergehen. Die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben im Finanzsektor belaufen sich auf USD 48 Mio., wobei grosse Institute mehr als USD 150 Mio. aufwenden. Bussgelder bei Nichteinhaltung der Vorschriften sind hier noch nicht eingerechnet. In der Finanzdienstleistungsbranche beliefen sich in den letzten zehn Jahren die Bussgelder im Zusammenhang mit der Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf mehr als USD 20 Mrd..

Die Anforderungen wirken sich aber auch auf die Einnahmeseite aus. Die Kundenbetreuer müssen mehr Zeit für Onboarding-Aktivitäten aufwenden - Zeit, die andernfalls für das Kundengeschäft oder den Vertrieb verwendet würde. Zudem wirken sich die komplizierten Anforderungen der Due-Diligence-Prüfung auf die Kundenbindung aus. In der Finanzdienstleistungsbranche wechselten 12 % der Unternehmen ihre Bank aufgrund negativer Erfahrungen im Zusammenhang mit Due Diligence, was die Einnahmen in erheblichem Masse schmälerte. Die genauen Auswirkungen ausserhalb des Finanzsektors sind derzeit noch nicht bekannt. Schwerfällige Verfahren könnten jedoch die Hürden in der Kundenakquise erhöhen, da die Kosten für Geschäfte mit neuen Partnern steigen.

Neue Lösungen sind erforderlich, um die Due Dilligence effizienter zu gestalten und die Zusammenarbeit im internationalen Handel zu stärken.

Zukunft
In Anbetracht der Auswirkungen sind neue Lösungen erforderlich, um die Due Dilligence effizienter zu gestalten und die Zusammenarbeit im internationalen Handel zu stärken. Wir beobachten, dass ein neues Ökosystem mit Akteuren und Technologien entsteht, die - wenn auch auf unterschiedliche Weise - den am internationalen Handel beteiligten Unternehmen zugutekommen können:

  1. Dienstleister für Unternehmensdaten: Dienstleistungsunternehmen stellen die relevanten Unternehmensdaten und Dokumente in einem standardisierten Prozess zur Verfügung. Der verifizierte Datensatz inklusive der erforderlichen Dokumente kann auch über Ländergrenzen hinweg bereitgestellt werden. Die Automatisierung und Wiederverwendung senkt die Kosten im Zusammenhang mit Due Diligence. Darüber hinaus wird der Onboarding-Prozess beschleunigt und das Relationship Management verbessert.
  2. Qualitätszertifizierer: Der Zertifizierer prüft die Qualität der Fracht und bestätigt, dass sie den Angaben und Spezifikationen entspricht. Dies verringert das Risiko von Geldbussen für die Teilnahme an sanktionierten Handelsgeschäften und stellt sicher, dass die Fracht tatsächlich das enthält, was deklariert und bezahlt wurde.
  3. IoT-Partner: Innovative Hardware- und Softwarelösungen helfen bei der Überwachung entlang der gesamten Lieferkette und generieren wichtige Informationen über die beteiligten Parteien. Diese Informationen können genutzt werden, um die Bewertung von Geschäftsbeziehungen zu verbessern.
  4. Partner für digitale Zwillinge: Alle Daten fliessen in digitalen Darstellungen von realen Gütern zusammen und ein kontrollierter Zugang wird über Wallets gewährt. Der OECD zufolge kann die Tokenisierung eine höhere Transparenz über Transaktionsdaten sowie Informationen über Akteure und Güter bewirken. Vor allem aber beschleunigt sie den Due-Diligence-Prozess enorm: Die Informationen sind über den Zugang zur Wallet verfügbar.  

Prospire: Unterstützung bei strategischen Partnerschaften
Prospire unterstützt Unternehmen dabei, Teil des neuen Ökosystems zu werden und den Due-Diligence-Prozess zukunftsgerecht auszurichten. Dies beinhaltet eine Strategie zur Identifizierung und zum Aufbau der notwendigen Partnerschaften und Fähigkeiten, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und darüber hinaus die Due-Diligence-Prüfung effizient zu gestalten. Dies verschafft nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern kann angesichts der strenger werdenden gesetzlichen Vorgaben auch eine Bedingung werden für zukünftiges Wachstum und Profitabilität.

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